§ 35c EStG: Energetische Sanierung senkt den Verbrauch und spart Steuern

Die Folgen des Klimawandels und die Explosion der Energiepreise drängen viele Hauseigentümer, den Energiebedarf ihrer Immobilie durch Sanierungsmaßnahmen zu reduzieren. Nach § 35c EStG kann für energetische Sanierungen an zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden eine Steuerermäßigung beantragt werden. Mit diesem Beitrag zeigen wir auf, wie Ihre Mandanten von dieser neuen Regelung profitieren können und was dabei zu beachten ist.

Begünstigte Maßnahmen

Energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum werden seit 2020 durch einen prozentualen Abzug der Aufwendungen von der Steuerschuld gefördert. Die Steuerermäßigung ist in § 35c EStG geregelt. Förderfähig sind hiernach Einzelmaßnahmen, die auch in bestehenden Programmen der Gebäudeförderung als förderfähig eingestuft sind. Dazu gehören

  • die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken,
  • die Erneuerung der Fenster oder Außentüren,
  • die Erneuerung bzw. der Einbau einer Lüftungsanlage,
  • die Erneuerung einer Heizungsanlage,
  • die Optimierung bestehender Heizungsanlagen (sofern älter als zwei Jahre) und
  • der Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung.

Einzelheiten sind in der Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden (ESanMV) festgelegt (§ 35c Abs. 7 EStG). Dadurch soll ein Gleichlauf der steuerrechtlichen Förderung mit den bestehenden Programmen der Gebäudeförderung gewährleistet werden.

Weitere Voraussetzungen

Weitere Voraussetzungen für die Gewährung der Steuerermäßigung sind:

  • Die Baumaßnahme wurde nach dem 31.12.2019 begonnen und vor dem 01.01.2030 abgeschlossen (Befristung auf zehn Jahre).

Als Beginn gilt bei Maßnahmen, für die eine Baugenehmigung erforderlich ist, der Zeitpunkt, zu dem der Bauantrag gestellt wird. Ansonsten ist auf den Zeitpunkt des Beginns der Baumaßnahmen abzustellen. Die Maßnahme ist abgeschlossen, wenn der Leistungserbringer eine Rechnung erstellt und der Steuerpflichtige diese beglichen hat.

  • Der Steuerpflichtige muss Eigentümer des Objekts sein. Das Objekt muss im EU-/EWR-Raum belegen sein. Begünstigt sind nur Aufwendungen an einem ausschließlich eigenen Wohnzwecken dienenden Gebäude. Unschädlich ist, wenn Teile einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung anderen Personen unentgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden (§ 35c Abs. 2 EStG). Eine Förderung scheidet jedoch aus, wenn aus der Wohnung (teilweise) steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden.
  • Das Gebäude muss zum Zeitpunkt der Durchführung der Sanierungsmaßnahme älter als zehn Jahre sein. Maßgebend für die Altersbestimmung des Gebäudes ist, wann mit dessen Herstellung begonnen wurde.
  • Die jeweilige Einzelmaßnahme muss von einem Fachunternehmen ausgeführt werden und die Anforderungen der ESanMV nach § 35c Abs. 7 EStG müssen erfüllt sein. In der ESanMV wird bestimmt, welche energieeinsparende Wirkung die konkrete Maßnahme für die zu gewährende Steuerermäßigung erfüllen muss. Die Durchführung durch ein Fachunternehmen soll gewährleisten, dass die Sanierungsmaßnahme auch tatsächlich zu einer Energieeinsparung führt. Sanierungsmaßnahmen in Eigenarbeit sind nicht begünstigt.
  • Die Steuerermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Voraussetzungen des § 35c Abs. 1 Satz 1 bis 3 EStG sowie die Anforderungen nach der ESanMV gem. § 35c Abs. 7 EStG erfüllt sind. Der Nachweis hat durch eine nach amtlichem Muster erstellte Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens zu erfolgen (§ 35c Abs. 1 Satz 7 EStG). Das BMF hat das Muster der Bescheinigung erstmals mit Schreiben vom 31.03.2020 (Az. IV C 1 - S 2296-c/20/10003 :001, BStBl I, 484) veröffentlicht.
  • Um die Steuerermäßigung zu erhalten, muss der Steuerpflichtige eine Rechnung erhalten haben. Die Zahlung des Rechnungsbetrags muss auf ein Konto des Erbringers der Leistung erfolgen (§ 35c Abs. 4 EStG). Barzahlungen sind nicht begünstigt.

Mit Schreiben vom 14.01.2021 hat das BMF Einzelfragen zur Anwendung der Regelung über die Steuerermäßigung nach § 35c EStG und der ESanMV nach § 35c EStG erläutert (Az. IV C 1 - S 2296-c/20/10004 :006, BStBl I, 103).

Höhe und Zeitpunkt der Steuerermäßigung

Die Förderung erfolgt durch Abzug der Steuerermäßigung von der Steuerschuld, d.h., die tarifliche Einkommensteuer wird hierbei gemindert. Je Förderobjekt beträgt die Steuerermäßigung 20 % der bescheinigten Aufwendungen, maximal insgesamt 40.000 €. Damit kann ein Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 200.000 € berücksichtigt werden.

Dabei können auch mehrere Maßnahmen gleichzeitig oder nacheinander ausgeführt werden. Der Abzug erfolgt im Jahr des Abschlusses der Maßnahme und in den beiden folgenden Kalenderjahren (über drei Jahre verteilt). Im Jahr des Abschlusses und im folgenden Jahr können 7 % der Aufwendungen, maximal jeweils 14.000 €, abgezogen werden. Im dritten Jahr können noch 6 % der Aufwendungen, höchstens 12.000 €, berücksichtigt werden.

Zu den begünstigten Aufwendungen gehören auch die Kosten, die dem Steuerpflichtigen für die Erteilung der Bescheinigung i.S.d. § 35c Abs. 1 Satz 7 EStG entstehen, sowie die Kosten für einen Energieberater. Die tarifliche Einkommensteuer vermindert sich abweichend von § 35c Abs. 1 Satz 1 EStG um 50 % der Aufwendungen für den Energieberater (§ 35c Abs. 1 Satz 4 EStG).

Die Förderung kann für mehrere Objekte geltend gemacht werden, sofern der Steuerpflichtige diese auch tatsächlich selbst zu Wohnzwecken nutzt (§ 35c Abs. 1 Satz 5 EStG). Der Förderhöchstbetrag je Objekt beträgt dabei unverändert 40.000 €.

Sind mehrere Personen Eigentümer des Objekts (z.B. Ehegatten), können die Steuerermäßigungen für das begünstigte Objekt insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden (§ 35c Abs. 6 EStG). Doppelförderungen sind ausgeschlossen (§ 35c Abs. 3 EStG). Kommt für die Aufwendungen bereits ein Werbungskosten- oder Betriebsausgabenabzug in Betracht, kann insoweit keine Steuerermäßigung nach § 35c EStG beansprucht werden. Das gilt auch, soweit die Aufwendungen bereits als Sonderausgaben oder als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden. Ebenfalls schädlich ist die steuerliche Förderung für Modernisierungsaufwendungen in Sanierungsgebieten oder für Baudenkmale (§ 10f EStG) oder die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen (§ 35a EStG).

Tipp
Die Bundesregierung fördert die energieeffiziente Sanierung bestehender Gebäude. Informationen zu den Förderprogrammen sind auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (www.bmwk.de) abrufbar.

Einzelmaßnahmen werden (bei maximal förderfähigen Kosten von 60.000 €) zwischen bis zu 20 % bei Dämmmaßnahmen und bis zu 40 % bei Wärmepumpen, bei Komplettsanierungen (maximal förderfähige Kosten von 150.000 €) zwischen bis zu 25 % für eine Sanierung auf die Effizienzhausstufe 85 als neuer Eingangsförderstufe und bis zu 45 % für eine Sanierung auf die Effizienzhausstufe 40 Stufe gefördert.

Der maximale Fördersatz beim Einbau einer Wärmepumpe liegt beispielsweise bei 40 % (bei maximal förderfähigen Kosten von 60.000 € je Wohneinheit), dies entspricht einer Fördersumme von bis zu 24.000 €. Bei einem Fensteraustausch beträgt der Fördersatz rund 20 %. Dies entspricht einer Fördersumme von bis 12.000 €.

Beachte
Die Steuerermäßigung nach § 35c EStG ist vollständig ausgeschlossen, wenn für dieselbe energetische Maßnahme einschließlich der Kosten für den Energieberater ein zinsverbilligtes Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse beansprucht werden.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.