BMF-Schreiben klärt Zweifelsfragen zum Homeoffice während der Pandemie

Viele Mandanten waren oder sind weiterhin ganz oder teilweise im Homeoffice tätig. Sie können dann Kosten für ein Arbeitszimmer oder eine Homeoffice-Pauschale steuerlich geltend machen. Das BMF hat sich nunmehr zu Einzelfragen rund um das Homeoffice geäußert (BMF-Schreiben v. 09.07.2021 – IV C 6 - S 2145/19/10006 :013). Lesen Sie hier die zentralen Punkte zu Nachweis, Arbeitszimmeranerkennung und Geltendmachung zusätzlicher Kosten

Homeoffice-Pauschale für Veranlagungszeitraum 2020/2021

Durch das Jahressteuergesetz 2020 wurde die Homeoffice-Pauschale nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 EStG eingeführt. Liegt kein häusliches Arbeitszimmer vor oder wird auf einen Abzug der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verzichtet, kann der Mandant nach dieser Vorschrift für jeden Kalendertag, an dem er seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der häuslichen Wohnung belegene Betätigungsstätte aufsucht, für seine gesamte betriebliche und berufliche Betätigung einen Betrag von 5 € abziehen, höchstens 600 € im Wirtschafts- oder Kalenderjahr.

Die Pauschale gilt als Teil der Werbungskostenpauschale. Die Regelung ist befristet auf die Jahre 2020 und 2021.

Nachweis der Homeoffice-Tage

Für die Glaubhaftmachung der Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer/Homeoffice reichen laut BMF schlüssige Angaben des Arbeitnehmers grundsätzlich aus.

Inwieweit Nachweise für die Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers vorgelegt werden müssen oder ob eine Schlüssigkeitsprüfung, z.B. anhand bereits vorhandener Angaben aus dem Vorjahr, ausreicht, ist im Einzelfall im Rahmen der Bearbeitung der Einkommensteuererklärung durch das Finanzamt zu entscheiden.

Homeoffice kann auch zusätzlicher Arbeitsplatz sein

Für die Geldendmachung der Homeoffice-Pauschale ist die beim Arbeitszimmer geltende Voraussetzung „kein anderer Arbeitsplatz“ nicht erforderlich. Daher kann die Pauschale auch dann geltend gemacht werden, wenn die berufliche/betriebliche Tätigkeit tageweise beim Arbeitgeber und im Homeoffice ausgeübt wird.

Tipp
Die Voraussetzung „kein anderer Arbeitsplatz“ für die Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers liegt nach Aussage des BMF allerdings auch dann vor, wenn der Arbeitnehmer aus Gründen des Gesundheitsschutzes (Vermeidung von Kontakten mit Kollegen) zu Hause gearbeitet hat.

Für die Zeit der pandemiebedingten Ausübung bestimmter Tätigkeiten in der Wohnung (seit März 2020) ist davon auszugehen, dass zu Hause grundsätzlich qualitativ gleichwertige Arbeiten wie beim bisherigen Arbeitsplatz ausgeübt werden, so dass bei quantitativ überwiegender Tätigkeit der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit in der Wohnung angenommen werden kann.

Dies bedeutet, dass die anteiligen Kosten eines (nahezu) ausschließlich beruflich genutzten Arbeitszimmers auch über den Betrag von 1.250 € hinaus steuerlich geltend gemacht werden können.

Die zeitliche Prüfung der überwiegenden Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer ist für einen zusammenhängenden Zeitraum als Durchschnittsregelung vorzunehmen, beispielsweise für die Zeit im ersten Lockdown oder insgesamt seit Beginn der Pandemie. Bei Änderung im Betriebsablauf/der Arbeitsorganisation (z.B. bei zeitweiliger Kurzarbeit o.Ä.) kann der Arbeitnehmer einen anderen Zeitraum heranziehen.

Nebenkosten zusätzlich geltend machen

Mit der Homeoffice-Pauschale sind folgende Aufwendungen regelmäßig abgegolten:

  • Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers (wie z.B. Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen),
  • Miete,
  • Gebäude-AfA, AfaA, Sonderabschreibungen,
  • Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind,
  • Wasser- und Energiekosten,
  • Reinigungskosten,
  • Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen,
  • Renovierungskosten.

Aufwendungen für Arbeitsmittel und Telefon-/Internetkosten können hingegen zusätzlich steuerlich geltend gemacht werden.

Entfernungspauschale: Tatsächliche Kosten weiterhin abzugsfähig?

Die tatsächlich geleisteten Aufwendungen für Monats-/Jahrestickets zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte können als Werbungskosten geltend gemacht werden, soweit sie die insgesamt im Kalenderjahr ermittelte Entfernungspauschale übersteigen.

Das gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer eine Zeitfahrkarte in Erwartung der regelmäßigen Benutzung für den Weg zur ersten Tätigkeitsstätte erworben hat, er die Zeitfahrkarte dann aber aufgrund der Tätigkeit im Homeoffice nicht im geplanten Umfang verwenden kann. Die Aufwendungen sind nicht auf einzelne Arbeitstage aufzuteilen.

Die Berücksichtigung der Homeoffice-Pauschale bleibt davon unberührt.

Beachte
Hierfür gilt, dass die Pauschale nur für diejenigen Tage angesetzt werden kann, an denen der Mandant ausschließlich im Homeoffice tätig geworden ist.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.