Die neue Steuerermäßigung für Energiesparmaßnahmen im Detail erklärt (Video)

Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung unterstützt mit ausgeweiteten Förderprogrammen die energetische Modernisierung von Wohnraum. Erfahren Sie hier, wie Mandanten die verbesserten steuerlichen Abzugsmöglichkeiten nutzen können und welche Kredite und Zuschüsse Sie darüber hinaus empfehlen können.

Diese Maßnahmen werden gefördert

Im Rahmen des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung fördert das BMF gem. § 35c EstG die folgenden Einzelmaßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung:

  • Wärmedämmung von Wänden
  • Wärmedämmung von Dachflächen
  • Wärmedämmung von Geschossdecken
  • Erneuerung von Fenstern oder Außentüren
  • Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage
  • Erneuerung der Heizungsanlage
  • Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung
  • Optimierung bestehender Heizungsanlagen

Für diese Maßnahmen gelten technische Mindestanforderungen, die für eine Förderung erfüllt sein müssen. Diese Anforderungen sind in der Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV) festgeschrieben. Darüber hinaus wird die energetische Baubegleitung und Fachplanung steuerlich gefördert.

So hoch ist die Förderung

Bei Einzelmaßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung sind 20 % der Aufwendungen (maximal 40.000 € pro Wohnobjekt), verteilt über drei Jahre, steuerlich abzugsfähig.

Bei der energetischen Baubegleitung und Fachplanung sind abweichend davon 50 % der anfallenden Kosten abzugsfähig.

Der Steuerabzug erfolgt jeweils von der individuellen Steuerschuld.

Tipp
Fachlich qualifizierte Energieberater für die Planung und Baubegleitung energetischer Sanierungsvorhaben finden Sie unter www.energie-effizienz-experten.de.

Wer profitiert von der Förderung?

Von der steuerlichen Förderung profitieren Bürgerinnen und Bürger, die energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum vornehmen. Die Wohnung bzw. das Wohngebäude muss bei Beginn der Maßnahme mindestens zehn Jahre alt sein.

Ab wann kann die steuerliche Förderung in Anspruch genommen werden?

Die steuerliche Förderung trat zum 01.01.2020 in Kraft und kann deshalb bereits mit der Einkommensteuererklärung für 2020 im Jahr 2021 geltend gemacht werden.

So wird die Förderung beantragt

Die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung wird als Teil der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt geltend gemacht. Eine vorherige Antragstellung ist deshalb nicht erforderlich.

Die Durchführung einer energetischen Sanierungsmaßnahme muss durch eine Bescheinigung des Fachunternehmens oder eines Energieberaters (einer Person mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV) bestätigt werden. Für die Bescheinigung ist ein amtliches Muster zu verwenden, das der Einkommensteuererklärung beigefügt werden muss (BMF-Schreiben, v. 31.03.2020 – IV C 1 - S 2296-c/20/10003 :001).

Wer kann die Fachunternehmensbescheinigung ausstellen?

Zur Ausstellung der Bescheinigung des Fachunternehmens sind Handwerksmeisterbetriebe oder Handwerksbetriebe mit einem Inhaber vergleichbarer Qualifikation berechtigt, die im Bereich der Gebäudesanierung tätig sind. Im Einzelnen sind dies Betriebe in den nachfolgenden Tätigkeitsbereichen, die eine Eintragung in die Handwerksrolle und daher grundsätzlich einen Meistertitel voraussetzen (zulassungspflichtige Handwerke gem. § 1 HwO):

  • Mauer- und Betonbauarbeiten
  • Stukkateurarbeiten
  • Maler- und Lackierungsarbeiten
  • Zimmerer-, Tischler- und Schreinerarbeiten
  • Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten
  • Steinmetz- und Steinbildhauarbeiten
  • Brunnenbauarbeiten
  • Dachdeckerarbeiten
  • Sanitär- und Klempnerarbeiten
  • Glasarbeiten
  • Heizungsbau und -installation
  • Kälteanlagenbau
  • Elektrotechnik und -installation
  • Metallbau.

Die durchgeführte Sanierungsmaßnahme muss dabei zum Gewerk des ausführenden Unternehmens zählen.

Daneben kann die Bescheinigung des Fachunternehmens auch durch einen Energieberater (eine Person mit der Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen nach § 21 EnEV) ausgestellt werden. Der bzw. die Berechtigte muss durch den ausführenden Fachbetrieb oder die Bauherrin/den Bauherrn selbst mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der Sanierungsmaßnahme beauftragt worden sein.

Auch in diesem Fall muss es sich bei dem die energetische Sanierung ausführenden Fachbetrieb um einen Meisterbetrieb bzw. einen Betrieb mit einem Inhaber vergleichbarer Qualifikation aus den oben aufgelisteten Tätigkeitsbereichen handeln.

Welche Alternativen gibt es zur steuerlichen Förderung?

Alternativ zur steuerlichen Förderung können die Gebäudeförderprogramme der KfW oder des BAFA genutzt werden:

Zinsverbilligtes Förderdarlehen mit Tilgungszuschuss:

  • KfW-Programmlinie „Energieeffizient Sanieren“ (151/152)

Investitionszuschüsse:

  • KfW-Programmlinie „Energieeffizient Sanieren“ (430)
  • Marktanreizprogramm „Heizen mit Erneuerbaren Energien“ (BAFA)
  • Heizungsoptimierungsprogramm (BAFA).

Eine Kumulierung der steuerlichen Förderung mit anderen Förderprogrammen des Bundes (d.h. Förderung derselben energetischen Sanierungsmaßnahme gleichzeitig sowohl steuerlich als auch über andere Förderprogramme des Bundes) ist nicht möglich.

Aufwendungen für eine qualifizierte Energieberatung vorab können über die Bundesförderung für „Energieberatung für Wohngebäude (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan)“ gefördert werden.

Tipp
Auf 20 Seiten erläutert das BMF im Detail die Einzelfragen zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung (BMF-Schreiben v. 31.03.2020 - IV C 1 - S 2296-c/20/10003 :001).

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.