Kurzarbeitergeld: Die neuen Erleichterungen und wer sie nutzen kann

Ende August hat sich die Koalition darauf geeinigt, die Bezugsdauer des – coronabedingten - Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 zu verlängern. Im Folgenden haben wir die wesentlichen Eckpfeiler zum Kurzarbeitergeld für Sie zusammengefasst.

Zugang zu Kurzarbeit erleichtert

Von März 2020 bis Ende des Jahres gilt: Ein Betrieb kann bereits Kurzarbeit anmelden, wenn

  • mindestens 10 % der Beschäftigten in der Firma
  • von einem Arbeitsausfall von über 10 % betroffen sind.

Normalerweise liegt diese Schwelle bei einem Drittel der Belegschaft.

Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden vor Zahlung des Kurzarbeitergeldes wird vollständig verzichtet. Zuvor wurde verlangt, dass in Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, diese auch zur Vermeidung von Kurzarbeit eingesetzt werden.

Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können Kurzarbeitergeld beziehen.

Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen durch die Agentur für Arbeit

Die Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber für ihre kurzarbeitenden Mitarbeiter allein tragen müssen, werden durch die Bundesagentur für Arbeit in pauschalierter Form erstattet. Für Bezieherinnen und Bezieher von Saison-Kurzarbeitergeld werden die Sozialversicherungsbeiträge nicht aus der Winterbeschäftigungsumlage, sondern auch aus Beitragsmitteln erstattet.

Bezugsdauer verlängert

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 31.12.2019 entstanden ist, wurde die Bezugsdauer von regulär zwölf auf bis zu 24 Monate verlängert - längstens bis zum 31.12.2020.

Beachte
Betriebe, die bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt haben, können diese sogar bis Ende 2021 fortführen.

Unterbrechung bei besserer Beschäftigungslage ist möglich

Die Bezugsdauer kann auch unterbrochen werden. Ist beim Arbeitgeber z.B. kurzfristig ein größerer Auftrag zu bearbeiten, kann er Arbeitnehmer vorübergehend wieder voll beschäftigen. Erhalten diese anschließend wieder Kurzarbeitergeld, hat sich die Bezugsdauer um diesen Zeitraum verlängert.

Ist die Kurzarbeit länger als drei Monate unterbrochen, hat sich die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes erneuert. Muss der Arbeitgeber die regelmäßige Arbeitszeit seiner Arbeitnehmer anschließend wieder kürzen, haben diese erneut Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Kurzarbeitergeld erhöht

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes hängt vom Gehalt ab, das normalerweise nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben ausgezahlt wurde (sog. Nettoentgelt). Davon werden 60 % des ausgefallenen Nettoentgelts bezahlt. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld 67 % des ausgefallenen Nettoentgelts.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung das Kurzarbeitergeld (nunmehr) bis Ende 2021 erhöht: Das Kurzarbeitergeld steigt ab dem

  • vierten Bezugsmonat auf 70 % des ausgefallenen Nettoentgelts (bzw. auf 77 % bei mindestens einem Kind im Haushalt),
  • siebten Bezugsmonat auf 80 % des ausgefallenen Nettoentgelts (bzw. auf 87 % bei mindestens einem Kind im Haushalt).

Beachte
Die Bezugsmonate müssen dabei nicht zusammenhängen. Das bedeutet: Unterbrechungen der Kurzarbeit (auch über drei Monate) lösen – bezogen auf die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes für den Arbeitnehmer - keinen Neubeginn der Bezugsdauer aus. Sofern Saison-Kurzarbeitergeld gezahlt wurde, zählt auch diese Leistung. Ungeachtet dessen ist das Kurzarbeitergeld durch den Arbeitgeber bei einer mehr als dreimonatigen Unterbrechung neu anzuzeigen.  

Nebenbeschäftigung möglich

Wurde die Nebentätigkeit schon vor Beginn der Kurzarbeit durchgeführt, hat diese keine Auswirkungen auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes. Der Nebenverdienst wird nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Für während Kurzarbeit aufgenommene Nebenbeschäftigungen wird die vollständige Anrechnung des Entgelts auf das Kurzarbeitergeld befristet vom 01.04. bis zum 31.12.2020 ausgesetzt. In diesem Zeitraum werden Verdienste aus Nebentätigkeiten in systemrelevanten Berufen und Branchen, die während Kurzarbeit aufgenommen wurden, bis zur vollen Höhe des bisherigen Monatseinkommens nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Seit dem 01.05. gilt diese Regelung für alle Berufe und Branchen. Ein Minijob (450 €/Monat) bleibt vollständig anrechnungsfrei.

Können geringfügig Beschäftigte Kurzarbeitergeld erhalten?

Geringfügig Beschäftigte können kein Kurzarbeitergeld erhalten, da sie nicht beitragspflichtig zur Arbeitslosenversicherung sind.

Können Auszubildende Kurzarbeitergeld erhalten?

Auch Auszubildende können Kurzarbeitergeld erhalten. Sie haben jedoch zunächst für die Dauer von sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung der Vergütung. Im Anschluss daran kann Kurzarbeitergeld gezahlt werden.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.