Elektro-/Hybridfahrzeuge als Dienstwagen: Wann welche Steuervergünstigung greift

Elektromobilität soll hierzulande gefördert werden, auch steuerlich. Seit 2013 wurde die steuerliche Behandlung der privaten Pkw-Nutzung von (teilweise) elektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgeweitet. Nur, was gilt wann, fragt man sich in der Praxis häufig. Mit diesem Beitrag stellen wir die aktuelle Rechtslage für Sie dar.  

Fahrzeugerwerb zwischen 2013 und 2018: pauschale Kürzung für das Batteriesystem

Wird ein Dienstwagen/Geschäftsfahrzeug auch privat genutzt, ist grundsätzlich 1 % des inländischen Bruttolistenpreises pro Monat als Privatentnahme bzw. als geldwerter Vorteil vom Arbeitnehmer zu versteuern. Durch das AmtshilfeRLUmsG wurde § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 und 3 EStG um Sonderregelungen für Elektrofahrzeuge und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge ergänzt.

Hiernach ist bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 1-%-Regelung der Bruttolistenpreis pauschal um die darin enthaltenen Kosten für das Batteriesystem wie folgt zu mindern:

Minderung des Bruttolistenpreises bei E-Autos

Anschaffungsjahr des Fahrzeugs

Minderungsbetrag in € pro kWh Speicherkapazität

Höchstbetrag in €

2013 und früher

500

10.000

2014

450

9.500

2015

400

9.000

2016

350

8.500

2017

300

8.000

2018

250

7.500

Beachte
Die Minderung ist nicht vorzunehmen, wenn das Batteriesystem nicht zusammen mit dem Fahrzeug angeschafft wird, sondern für die Überlassung ein zusätzliches Entgelt (z.B. in Form von Leasingraten) zu entrichten ist.

Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der Fahrtenbuchmethode ist die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung in pauschaler Höhe – entsprechend den vorstehenden Grundsätzen – um die Kosten für das Batteriesystem zu mindern. Wird die Batterie nicht mit dem Fahrzeug erworben, sondern gemietet oder geleast, sind die Gesamtkosten um das hierfür zusätzlich entrichtete Entgelt zu mindern.

Beachte
Während bei reinen Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeugen der Ansatz des reduzierten Bruttolistenpreises bzw. die Einbeziehung der reduzierten AfA oder Leasingkosten an keine weiteren Vor­aussetzungen geknüpft ist, darf ein extern aufladbares Hybridelektrofahrzeug eine Kohlendioxidemission von höchstens 50 g/km ausweisen oder muss eine Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine von mindestens 40 km erreichen.

Erwerb des Fahrzeugs in 2019: halber Bruttolistenpreis

Ende 2018 wurde bei der Dienstwagenbesteuerung in § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG eine Regelung eingeführt, wonach die private Nutzung eines betrieblichen Elektro- oder Hybrid­elektrofahrzeugs monatlich pauschal mit 1 % des halbierten inländischen Bruttolistenpreises zu bewerten ist. Bei der Fahrtenbuchmethode sind die Anschaffungskosten für das Kfz oder vergleichbare Aufwendungen nur zur Hälfte zu berücksichtigen.

Die pauschale Minderung betrifft auch die Ermittlung des zusätzlichen geldwerten Vorteils, wenn der Firmenwagen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstatte genutzt werden darf.

Beispiel
Der Arbeitnehmer erhält als Firmenwagen ein in 2019 angeschafftes Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 75 kWh auch zur privaten Nutzung. Der Bruttolistenpreis beträgt 75.000 €.

Geldwerter Vorteil nach Rechtslage bis 2018

Bruttolistenpreis einschl. Batteriesystem

75.000 €

abzüglich 75 kWh à 200 € (maximal 7.000 €)

7.000 €

verbleiben

68.000 €

Der geldwerte Vorteil für die private Nutzung des Firmenwagens nach der 1-%-Regelung würde pro Monat 680 € betragen.

Geldwerter Vorteil nach Rechtslage ab 2019

Bruttolistenpreis einschl. Batteriesystem

75.000 €

abzüglich 50 %

37.500 €

verbleiben

37.500 €

Der geldwerte Vorteil für die private Nutzung des Firmenwagens nach der 1-%-Regelung beträgt demnach 375 € pro Monat.

Nach der Gesetzesänderung reduziert sich der geldwerte Vorteil im. o.g. Beispiel um rund 45 % (305 €) pro Monat.

Ähnliche Vorteile ergeben sich bei der Anwendung der Fahrtenbuchmethode.

Beispiel
Der Arbeitnehmer erhält als Firmenwagen ein in 2019 angeschafftes Elektrofahrzeug mit einer Batteriekapazität von 75 kWh auch zur privaten Nutzung. Der Bruttolistenpreis beträgt 75.000 €, die tatsächlichen Bruttoanschaffungskosten 70.000 €. Daneben sind Aufwendungen für Versicherungen (1.000 €) und Strom (2.000 €) angefallen. Die berufliche Nutzung beträgt laut ordnungsgemäßem Fahrtenbuch 80 %.

Geldwerter Vorteil nach Rechtslage bis 2018

Anschaffungskosten

70.000 €

pauschale Minderung der AK (75 kWh à 200 €), maximal

7.000 €

verbleiben

63.000 €

Abschreibung (acht Jahre)

7.875 €

sonstige Aufwendungen (Versicherung); Stromkosten bleiben wegen § 3 Nr. 46 EStG außen vor

1.000 €

Summe Pkw-Aufwendungen

8.875 €

Der geldwerte Vorteil nach der Fahrtenbuchmethode beträgt folglich 1.775 € (20 % Privatanteil von 8.875 €).

Geldwerter Vorteil nach Rechtslage ab 2019

Anschaffungskosten

70.000 €

pauschale Minderung der AK (50 % von 70.000 €)

35.000 €

verbleiben

35.000 €

Abschreibung (acht Jahre)

4.375 €

sonstige Aufwendungen (Versicherung); Stromkosten bleiben wegen § 3 Nr. 46 EStG außen vor

1.000 €

Summe Pkw-Aufwendungen

5.375 €

Der geldwerte Vorteil nach der Fahrtenbuchmethode beträgt folglich 1.075 € (20 % Privatanteil von 5.375 €).

Somit reduziert sich der geldwerte Vorteil im. o.g. Beispiel um rund 40 % (700 €) pro Jahr.

Beachte
Die Regelung gilt bei Anschaffung des Fahrzeugs nach dem 31.12.2018. Die Halbierung der Bemessungsgrundlage für die private Nutzung eines betrieblichen Elektro- oder Hybridelek­trofahrzeugs wurde mit dem JStG 2019 bis 2030 verlängert (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 und 4 EStG). Die Halbierung der Bemessungsgrundlage gilt wie bisher nicht nur für reine Elektrofahrzeuge, sondern grundsätzlich auch für extern aufladbare Hybridelek­trofahrzeuge.

Erstmalige Überlassung statt Anschaffung maßgebend für Arbeitnehmer

Für Pkws, die Arbeitnehmern überlassen werden, kommt es nach Verwaltungsmeinung auf die erstmalige Überlassung des Fahrzeugs an Arbeitnehmer an. Damit kommt es nicht auf den Zeitpunkt an, zu dem der Arbeitgeber dieses Kfz angeschafft, hergestellt oder geleast hat. Wurde das betriebliche Kfz vom Arbeitgeber bereits vor dem 01.01.2019 einem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung (z.B. Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, Fahrten nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG oder Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung) überlassen, bleibt es bei einem Wechsel des Nutzungsberechtigten nach dem 31.12.2018 für dieses Kfz bei den bisherigen Bewertungsregelungen und die Neuregelung ist nicht anzuwenden.

Besonderheiten für Hybridelektrofahrzeuge

Die Voraussetzungen für extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge wurden weiter verschärft. In Abhängigkeit vom Jahr der Anschaffung müssen folgende Voraussetzungen an Kohlendioxidemission oder Mindest­reichweite erfüllt sein:

Voraussetzungen für steuerliche Förderung von Hybridfahrzeugen

Anschaffungsjahr

Kohlendioxidemission/ Mindest­reichweite

2019–2021

≤ 50 g CO2/km

≥ 40 km

2022–2024

≤ 50 g CO2/km

≥ 60 km

2025–2030

≤ 50 g CO2/km

≥ 80 km

Beachte
Zwar müssen nach dem Gesetzeswortlaut auch reine Elektrofahrzeuge die o.g. Voraussetzungen erfüllen. Da diese jedoch keinerlei CO2–Emissionen ausstoßen, kommt es auf die Reichweite der Fahrzeuge letztlich nicht an.

Die Berücksichtigung der hälftigen Anschaffungskosten für den Erwerb von extern aufladbaren Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode wurde bis einschließlich 31.12.2030 verlängert.

Erwerb des Fahrzeugs ab 2020: ein Viertel des Bruttolistenpreises

Zusätzlich zu den bisher vorgesehenen Regelungen wurde mit dem JStG 2019 als Maßnahme aus dem „Klimaprogramm 2030“ eine weitere Fallgruppe aufgenommen: Bei der Bewertung der Entnahme von Kfz, die pro gefahrenem Kilometer keine CO2-Emissionen haben, wird nur ein Viertel der Bemessungsgrundlage berücksichtigt.

Diese Regelung gilt nur für Kfz, deren Bruttolistenpreis (reguläre Bemessungsgrundlage) nicht mehr als 60.000 € beträgt.

Beachte
Soweit Kfz, die zwischen dem 01.01. und dem 31.12.2019 angeschafft wurden, keine CO2-Emissionen je gefahrenen Kilometer haben, wird aus Gleichbehandlungsgründen auch bereits für diese die Minderung der Bemessungsgrundlage auf ein Viertel des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung angewendet. Auch bei der Fahrtenbuchmethode werden für diese Fallgruppe die Anschaffungskosten oder vergleichbare Kosten (z. B. Miete oder Leasingkosten) entsprechend dem maßgebenden Bruchteil angesetzt.

Weitere lohnsteuerliche Regelungen zu Elek­tro-/Hybridfahrzeugen

Die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 46 EStG für die vom Arbeitgeber gewährten geldwerten Vorteile für das Aufladen eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs auf dem Betriebsgelände des Arbeitgebers oder für die zur Privatnutzung überlassene betriebliche Ladevorrichtung gilt für Vorteile, die dem Arbeitnehmer bis zum 31.12.2030 zufließen (vgl. § 52 Abs. 4 Satz 14 EStG).

Nach § 40 Abs. 2 Satz 1 Nr. 6 EStG besteht für Arbeitgeber die Möglichkeit, sich an den Anschaffungskosten einer privaten Ladevorrichtung des Arbeitnehmers zu beteiligen und einen etwaigen geldwerten Vorteil hier­aus (unentgeltliche bzw. verbilligte Überlassung oder Zuschuss) pauschal mit 25 % zu besteuern.

Voraussetzung ist, dass der geldwerte Vorteil zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird. Die Regelung gilt bis Ende 2030 (vgl. § 52 Abs. 37c EStG).

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.