BMF-Schreiben: Steuerliche Bewertung der Privatnutzung von Firmenrädern und -E-Bikes

Die Bundesländer haben einen abgestimmten gemeinsamen Erlass zur steuerlichen Behandlung der Privatnutzung von Fahrrädern und E-Bikes veröffentlicht. Aktualisiert wurde insbesondere die Bewertung der Privatnutzung. Lesen Sie hier, welche steuerlichen Regelungen jetzt gelten.

Was als Elektrofahrad zählt

Als Elektrofahrräder gelten weiterhin E-Bikes und Pedelecs mit einer Motorunterstützung bis zu 25 km/h bzw. ohne Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht. Ist ein Elektrofahrrad verkehrsrechtlich als Kfz einzuordnen, sind für die steuerliche Bewertung des geldwerten Vorteils unverändert die für Pkws geltenden Regelungen (§ 8 Abs. 2 Satz 2-5 i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG) anzuwenden.

44-€-Grenze greift nicht

Weiterhin ist die 44-€-Sach­be­zugsfreigrenze auf die Bewertung der zur Privatnutzung überlassenen Fahrräder sowie Elektrofahrräder nicht anwendbar. Ursache ist die besondere Bewertung des Sachbezugs aufgrund des hier genannten Ländererlasses und somit gem. § 8 Abs. 2 Satz 10 EStG. Die Freigrenze nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG gilt in diesen Fällen nicht.

Berechnung des geldwerten Vorteils

Bei erstmaliger Überlassung des betrieblichen Fahrrads oder Elektrofahrrads nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2031 wird als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung (einschließlich Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte) in Lohnzahlungszeiträumen ab 2019 monatlich 1 % der auf volle 100 € abgerundeten halbierten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer angesetzt.

NEU: Ab 2020 ist als geldwerter Vorteil monatlich 1 % des auf volle 100 € abgerundeten Viertels der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer anzusetzen.

Tipp
Die Halbierung/Viertelung der Bemessungsgrundlage gilt für den o.g. Zeitraum auch, wenn es sich nicht um ein Elektrofahrrad, sondern um ein „normales“ Fahrrad handelt.

Beachte
Für ein vor dem 01.01.2019 erstmals überlassenes Fahrrad oder Elektrofahrrad wird weiterhin die volle Bemessungsgrundlage mit 100 % berücksichtigt.
 

Erstmalige Überlassung

Bemessungsgrundlage

vor dem 01.01.2019 und nach dem 31.12.2030

volle Bemessungsgrundlage auf die gesamte Nutzungsdauer

zwischen dem 01.01.2019 und dem 31.12.2030

 

Abrechnungszeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2019: die halbe Bemessungsgrundlage für die Nutzung im Jahr 2019
Abrechnungszeitraum 01.01.2020 bis Nutzungsende: ein Viertel der Bemessungsgrundlage für die gesamte Nutzungsdauer ab Januar 2020

Maßgeblich für die Berücksichtigung der vollen oder halbierten Bemessungsgrundlage ist somit die Frage der erstmaligen Überlassung des betreffenden konkreten Fahrrads an einen Arbeitnehmer. In diesen Fällen kommt es also nicht auf den Zeitpunkt an, zu dem der Arbeitgeber dieses Fahrrad angeschafft, hergestellt oder geleast hat. Bei einem Wechsel des Nutzungsberechtigten für das Rad gilt somit: Wurde das betriebliche Fahrrad vor dem 01.01.2019 vom Arbeitgeber bereits einem (anderen) Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen, bleibt es bei einem Wechsel des Nutzungsberechtigten nach dem 31.12.2018 bzw. 31.12.2019 für dieses Fahrrad bei den Regelungen der vollen Bemessungsgrundlage.

Weiterhin ist bei der Überlassung eines Rades zur Privatnutzung an Arbeitnehmer (vor oder nach dem 31.12.2018) kein 4-%-Abschlag zulässig: Eine Grundlage hierfür ist im Gesetz nicht vorhanden, im Ländererlass vom 09.01.2020 nicht vorgesehen und nach den Lohnsteuer-Richtlinien für Bewertungen auf Basis von Ländererlassen i.S.d. § 8 Abs. 2 Satz 10 EStG ebenfalls nicht möglich.

Aufgepasst bei der Umsatzsteuer

Die Steuerermäßigung für Fahrräder oder Pedelecs gilt nur für das Einkommensteuerrecht. Umsatzsteuerlich liegt bei der Überlassung des Fahrrads oder Pedelecs ein umsatzsteuerpflichtiger Leistungsaustausch vor.

Steuerfreie Überlassung eines Firmenfahrrads

Zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn vom Arbeitgeber gewährte Vorteile für die Überlassung eines betrieblichen Fahrrads, das kein Kfz i.S.d. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ist, sind gem. § 3 Nr. 37 EStG vollständig steuerfrei (gleichlautender Ländererlass v. 09.01.2020).

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.