Photovoltaikanlagen: So wird der Eigenverbrauch richtig ermittelt

Selbsterzeugter Strom wird in aller Regel zu einem nicht unerheblichen Teil von den Eigentümern der Photovoltaikanlagen selbst verbraucht. Wie dieser Eigenverbrauch zu bewerten und steuerlich zu behandeln ist, erläutern wir Ihnen in diesem Beitrag.

Bewertung der Entnahme für den privaten Haushalt

Nach allgemeinen ertragsteuerlichen Grundsätzen ist die Entnahme des erzeugten Stroms mit dem Teilwert zu bewerten (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Einkommensteuerlich sind das die Wiederbeschaffungskosten. Hierzu gehören neben den Herstellungskosten auch die Verwaltungs- und Betriebskosten sowie die Finanzierungskosten.

Zur Teilwertbewertung des selbstverbrauchten Stroms bestehen folgende Möglichkeiten:

  • anhand der individuell angefallenen Kosten (progressive Methode)
  • durch Ableitung aus dem vor­aussichtlich am Markt erzielbaren Verkaufspreis, gemindert um den kalkulatorischen Gewinn­aufschlag (retrograde Methode)
  • durch pauschalen Wertansatz von 20 ct/kWh

Dieser Teilwert ist noch um die Umsatzsteuer für die unentgeltliche Wertabgabe zu erhöhen.

So wird der Umfang der Entnahme ermittelt

Wie viel Strom ein Erzeuger für sich selbst entnommen hat, kann auf folgende Arten ermittelt werden (vgl. Abschn. 2.5 Abs. 16 UStAE):

  • durch Abzug der an den Netzbetreiber gelieferten Strommenge von der insgesamt erzeugten Strommenge
  • anhand des Stromzählers
  • aus Vereinfachungsgründen unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Volllaststundenzahl von 1.000 kWh/kWp (jährlich erzeugte Kilowattstunden pro Kilowatt installierter Leistung) durch Schätzung.

Wie die Berechnung des Eigenverbrauchs erfolgt

Folgendes Beispiel zeigt, wie der Eigenverbrauch für den Betreiber einer Photovoltaikanlage berechnet wird:

Beispiel
Ein Hausbesitzer erwirbt im Januar 2019 eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 5 kW zum Preis von 11.900 € (brutto). Ihm liegt eine ordnungsgemäße Rechnung des Lieferanten vor, in der die Umsatzsteuer i.H.v. 1.900 € gesondert ausgewiesen ist. Es sind Schuldzinsen für die Anschaffung der Anlage von jährlich 150 € sowie Aufwendungen für Büromaterial i.H.v. 23,80 € angefallen. Da der Stromertrag der Anlage nur ungefähr 5.000 kWh pro Jahr beträgt, wird der mit der Anlage zu erzielende Gesamtumsatz den Betrag von 22.000 € nicht übersteigen. Er beabsichtigt bei Anschaffung, ca. 20 % des erzeugten Stroms privat zu verbrauchen.

Gegenüber dem Finanzamt hat der Anlagenbetreiber auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung des § 19 UStG verzichtet und die Anlage insgesamt seinem Unternehmen bei Leistungsbezug zugeordnet. Die Berechnung der unentgeltlichen Wertabgabe hat er nicht nach den Selbstkosten vorgenommen. Hinsichtlich der zu erklärenden Umsätze ist zu beachten, dass nach § 18 Abs. 2 EEG die Umsatzsteuer in den im EEG genannten Vergütungsbeträgen nicht enthalten ist.

Im Jahr 2019 speist der Hausbesitzer 3.900 kWh Solarstrom ein. Die insgesamt erzeugte Strommenge kann er nicht nachweisen.

Zur Deckung des eigenen Strombedarfs von 4.000 kWh wird zusätzlich Strom (= vergleichbarer Gegenstand) von einem Energieversorgungsunternehmen zu einem Preis von 25 ct/kWh (Bruttopreis) zuzüglich eines monatlichen Grundpreises von 6,55 € (Bruttopreis) bezogen (demnach 22,66 ct Nettopreis) pro kWh ((4.000 kWh x 25 ct) + (6,55 € x 12 Monate) = 1.078,60 € / (4.000 kWh x 1,19)).

Er ordnet seine Anlage zu 100 % dem Unternehmensvermögen zu. Im Rahmen der Umsatzsteuererklärung 2019 muss der Hausbesitzer folgende Besteuerungsgrundlagen erklären:

Umsätze 2019

Jahresumsatz (netto) (3.900 kWh x 0,1702 €/kWh)

663,78 €

Umsatzsteuer (19 %)

126,12 €

Jahresumsatz (brutto)

789,90 €

In diesem Gesamtumsatz ist der Eigenverbrauch nicht enthalten, da dieser bei Inbetriebnahme ab dem 01.04.2012 (Ausnahme: Übergangsregelung § 66 Abs. 18 EEG) nicht mehr vergütet wird.

Vorsteuerabzug 2019

Die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer des Lieferanten der Photovoltaikanlage i.H.v. 1.900 € und 3,80 € für das Büromaterial ist als Vorsteuer abzugsfähig.

Besteuerung der unentgeltlichen Wertabgabe für den privat verbrauchten Strom

Da die Photovoltaikanlage zu 100 % dem Unternehmensvermögen zugeordnet wurde und daher der volle Vorsteuerabzug in Anspruch genommen worden ist, hat als Kompensation für die private Verwendung des Stroms die Besteuerung einer unentgeltlichen Wertabgabe zu erfolgen. Die Bemessungsgrundlage bestimmt sich nach dem Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten für einen gleichartigen Gegenstand.

Der fiktive Einkaufspreis ist der Nettostrompreis (des Energieversorgungsunternehmens) i.H.v. 22,66 ct/kWh.

Kann ein Anlagenbetreiber die insgesamt erzeugte Strommenge nicht nachweisen, kann unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Volllaststundenzahl von 1.000 kWh/kWp (jährlich erzeugte Kilowattstunden pro Kilowatt installierter Leistung) die erzeugte Strommenge in diesen Fällen geschätzt werden:

5 kW installierte Leistung x 1.000 kWh = 5.000 kWh

Hiervon wurden 3.900 kWh Strom eingespeist, so dass der private Verbrauch im Jahr 2019 1.100 kWh beträgt.

Berechnung der unentgeltlichen Wertabgabe

1.100 kWh x 22,66 ct =

249,26 €

davon 19 % Umsatzsteuer =

47,36 €

In der Umsatzsteuererklärung 2019 ist der Nettoumsatz i.H.v. 249 € einzutragen.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.