Vorauszahlungen für Einkommensteuer und Umsatzsteuer herabsetzen und stunden

Als Reaktion auf die Corona-Krise wurden mittlerweile zahlreiche Sofortmaßnahmen und Hilfspakete umgesetzt, die die wirtschaftlichen Folgen abfedern sollen. Schnelle Hilfe verspricht die Herabsetzung bzw. Stundung von Steuervorauszahlungen. Lesen Sie hier Praxishinweise zum aktuellen BMF-Schreiben dazu.

Herabsetzung bereits geleisteter Vorauszahlungen für 2019

Infolge der Corona-Krise ist insbesondere bei Mandanten mit Gewinneinkünften und Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu erwarten, dass sich für den Veranlagungszeitraum (VZ) 2020 rücktragsfähige Verluste i.S.d. § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG ergeben.

Diese voraussichtlich entstehenden Verluste für 2020 können schon jetzt steuerwirksam genutzt werden, um die Vorauszahlungen für 2019 nachträglich herabsetzen zu lassen. Die Herabsetzung der Einkommensteuer-Voraus­zahlungen für 2019 ist bis Ende März 2021 möglich (§ 37 Abs. 3 Satz 3 EStG), vorausgesetzt, für 2019 liegt noch kein Einkommensteuerbescheid vor (BMF-Schreiben v. 24.04.2020 – IV C 8 – S 2225/20/10003 :010).

Tipp
Da eine hinreichende Prognose zur Höhe der voraussichtlichen (negativen) Einkünfte 2020 gerade in der aktuellen Situation schwierig ist, können die Anträge auf Herabsetzung der Vorauszahlungen aufgrund eines pauschal ermittelten Verlustrücktrags aus dem Jahr 2020 vereinfacht abgewickelt werden.

Inanspruchnahme des pauschal ermittelten Verlustrücktrags

Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des pauschal ermittelten Verlustrücktrags aus dem Jahr 2020 zur nachträglichen Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019 sind:

  1. Antrag: Dieser kann schriftlich oder elek­tronisch bei dem für die Festsetzung der  Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer zuständigen Finanzamt gestellt werden.
  2. Antragsberechtigung: Nur Mandanten, die im Laufe des VZ 2020 Gewinneinkünfte oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielen, können den pauschal ermittelten Verlustrücktrag aus dem Jahr 2020 in Anspruch nehmen.
  3. Negative Betroffenheit: Der Antragsteller muss von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffen sein. Dabei wird regelmäßig von einer Betroffenheit ausgegangen werden, wenn die Vor­auszahlungen für 2020 auf 0 € herabgesetzt wurden oder der Mandant versichert, dass aufgrund der Corona-Krise eine nicht unerhebliche negative Summe der Einkünfte erwartet wird.

Höhe des pauschal ermittelten Verlustrücktrags

Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 beträgt 15 %

  • des Saldos der maßgeblichen Gewinneinkünfte und/oder
  • der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, welche der Festsetzung der Vor­auszahlungen für 2019 zugrunde gelegt wurden.

Der Verlustrücktrag ist bis zu einem Betrag von 1.000.000 € bzw. bei Zusammenveranlagung von 2.000.000 € nach § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG abzuziehen. Demzufolge sind die Vorauszahlungen für 2019 unter Berücksichtigung des pauschal ermittelten Verlustrücktrags aus 2020 neu zu berechnen und festzusetzen, so dass sich ein Erstattungsanspruch ergibt.

Auswirkungen auf die Steuerfestsetzung 2019

Verfahrensrechtlich kann ein Verlustrücktrag erst nach Durchführung der Veranlagung 2020 berücksichtigt werden. Folge: Wurden die Vor­auszahlungen für 2019 aufgrund eines Verlustrücktrags aus 2020 gemindert, führt die Veranlagung für 2019 mangels Berücksichtigung eines Verlustrücktrags aus 2020 i.d.R. zunächst zu einer Nachzahlung in entsprechender Höhe.

Beachte
Die auf den im Vorauszahlungsverfahren berücksichtigten Verlustrücktrag entfallende Nachzahlung für 2019 ist auf Antrag befristet bis spätestens einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids 2020 unter dem Vorbehalt der Zinsfestsetzung und unter dem Vorbehalt des Widerrufs zinslos zu stunden. Das gilt, wenn der Mandant zum Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung für den VZ 2019 weiterhin von einer nicht unerheblichen negativen Summe der Einkünfte für den VZ 2020 ausgehen kann. Beruht die erste Festsetzung für 2020 auf einer Schätzung der Besteuerungsgrundlagen nach § 162 AO, sind für den Stundungszeitraum nachträglich Stundungszinsen festzusetzen.

Auswirkungen auf die Steuerfestsetzung 2020

Ergibt sich nun im Rahmen der Einkommen- oder Körperschaftsteuerveranlagung für 2020 ein Verlustrücktrag gem. § 10d Abs. 1 Satz 1 EStG, entfällt insoweit die bisher festgesetzte und gestundete Nachzahlung für 2019. Sollte sich jedoch bei der Veranlagung für 2020 kein Verlustrücktrag nach 2019 ergeben, ist die bislang gestundete Nachzahlung für 2019 innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids für 2020 zu entrichten. Ergibt sich bei der Veranlagung für 2020 lediglich ein geringerer Verlustrücktrag nach 2019 als der bislang gestundete Betrag, ist die verbleibende Nachzahlung für 2019 innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des berichtigten Steuerbescheids für 2019 zu entrichten.

Tipp
Anspruchsberechtigte Mandanten sollten die Möglichkeiten zur Inanspruchnahme des pauschalierten Verlustrücktrags gründlich prüfen. Die Vorverlagerung der Nutzung eines noch nicht festgestellten Verlusts aus dem Jahr 2020 verschafft dem Mandanten schnell und unbürokratisch Liquiditätsvorteile. Aber aufgepasst: Fällt der Verlust im Jahr 2020 dann doch nicht so hoch aus wie angenommen, können bei der Veranlagung hohe Nachzahlungen drohen.

Stundung bei Umsatzsteuer-Voranmeldung

Mandanten, die nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind, können Anträge auf zinslose Stundung der bis zum 31.12.2020 fälligen oder fällig werdenden Steuern stellen. In fast allen Bundesländern wurden auf den Formularservern der Landesfinanzbehörden entsprechende Vordrucke hinterlegt, mit denen die Stundung (oder die Anpassung von Steuervorauszahlungen) beantragt werden kann.

Seitens der Finanzverwaltung wird in diesem Zusammenhang die Bitte geäußert, in den Umsatzsteuer-Voranmeldungsvordrucken bei Kennzahl 23 (Zeile 74 ff.) – hier können über die Angaben in der Steueranmeldung hinaus weitere oder abweichende Angaben oder Sachverhalte berücksichtigt werden, wenn eine „1“ eingetragen wird – keine weiteren Bemerkungen einzutragen, auch wenn das DATEV-Formular ergänzende Angaben ermöglicht.

Beachte
Ob und inwieweit automationsgestützt auch die Eingabe in dem von der DATEV vorgesehenen Feld „Ergänzende Angaben“ ausgewertet werden kann, wird geprüft. Bis dahin rät die Finanzverwaltung dringend davon ab, hier Angaben zu machen, die die auf einem gesonderten Blatt zu machenden Angaben ersetzen sollen.
Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.