Überlassung betrieblicher Fahrräder und E-Bikes an Arbeitnehmer

In neuen gleichlautenden Erlassen haben die obersten Finanzbehörden der Länder nun erneut die Regeln zur Vorteilsbewertung bei der Überlassung von (Elektro-)Fahrrädern an Arbeitnehmer überarbeitet (Ländererlass v. 09.01.2020 – S 2334 - 66 - V B 3). Die Bemessungsgrundlage für die Lohnversteuerung sinkt demnach ab dem 01.01.2020 weiter ab. Lesen Sie in diesem Beitrag, was genau sich ändert.

Ansatz eines Durchschnittswerts

Nach wie vor gilt folgende Grundregel: Als monatlicher Durchschnittswert der privaten Nutzung muss 1 % der (auf volle 100 € abgerundeten) unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers einschließlich Umsatzsteuer angesetzt werden. Heranzuziehen ist die Preisempfehlung, die im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads gilt.

Beachte
Der 1-%-Durchschnittswert deckt nicht nur Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte und Familienheimfahren im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ab, sondern auch Fahrten, die ein Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte zu „Sammelpunkten“ oder weiträumigen Tätigkeitsgebieten (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a Satz 3 EStG) unternimmt.

Ansatz einer halbierten Bemessungsgrundlage

Überarbeitet haben die obersten Finanzbehörden der Länder nun die Regelungen zum Ansatz einer reduzierten Bemessungsgrundlage: Bislang durfte bei der Bewertung des Privatnutzungsvorteils die halbierte unverbindliche Preisempfehlung angesetzt werden, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer das betriebliche Fahrrad erstmals nach dem 31.12.2018 und vor dem 01.01.2022 überlässt.

In den neuen Erlassen ist nun geregelt, dass

  • die Regelungen zur reduzierten Bemessungsgrundlage für Überlassungen bis Ende 2030 gelten (Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben),
  • nur noch im Kalenderjahr 2019 eine Halbierung der unverbindlichen Preisempfehlung vorzunehmen ist und
  • ab dem 01.01.2020 lediglich noch ein Viertel der unverbindlichen Preisempfehlung zugrunde gelegt werden muss.

Die übrigen Aussagen in den Ländererlassen sind unverändert geblieben: Es muss nach wie vor beim Ansatz der vollen Preisempfehlung bleiben, wenn der Arbeitgeber das Fahrrad bereits vor dem 01.01.2019 einem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen hat und nach dem 31.12.2018 lediglich der Nutzungsberechtigte für dieses Fahrrad wechselt.

44-€-Freigrenze

Die obersten Finanzbehörden der Länder bleiben bei ihrer Aussage, dass die Sachbezugsfreigrenze von 44 € pro Monat (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) nicht anwendbar ist – auch nicht bei der Anwendung der Halbierungs- bzw. Viertelungsregelung.

Rabattfreibetrag von 1.080 €

Sofern die Nutzungsüberlassung von Fahrrädern zur (an Dritte gerichteten) Angebotspalette des Arbeitgebers gehört (z.B. bei Fahrradverleihfirmen), kann der geldwerte Vorteil nach wie vor unter den Rabattfreibetrag von 1.080 € pro Jahr (§ 8 Abs. 3 EStG) gefasst werden. Dies gilt aber nur, wenn die Lohnsteuer nicht pauschal nach § 40 EStG erhoben wird.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.