Sozialversicherung 2020 – aktuelle Hinweise zur Lohnbuchhaltung

Die Lohnsteuer zum Jahreswechsel 2019/2020 war Gegenstand der vor­angegangenen Ausgabe. In Ergänzung dazu informieren wir Sie nunmehr über die sozialversicherungsrechtlichen Neuerungen, die für die Lohnbuchhaltung 2020 von Bedeutung sind.

Beitragszuschuss zur gesetzlichen/privaten Krankenversicherung

Der Arbeitgeberzuschuss für freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherte Beschäftigte schließt seit 2019 auch den halben kassenindividuellen Zusatzbeitrag der Krankenkasse mit ein.

Freiwillig GKV-versicherte Arbeitnehmer mit Krankengeldanspruch

 

4.687,50 €

x

7,3 %

+

4.687,50 €

x

halber kassenindividueller Zusatzbeitragssatz

Freiwillig GKV-versicherte Arbeitnehmer ohne Krankengeldanspruch

 

4.687,50 €

x

7,0 %

+

4.687,50 €

x

halber kassenindividueller Zusatzbeitragssatz

Beim Beitragszuschuss, den Arbeitgeber ihren privat krankenversicherten Arbeitnehmern zahlen, wird seit Anfang 2019 der halbe durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung ebenfalls miteinbezogen.

Privat krankenversicherte Arbeitnehmer

 

4.687,50 €

x

7,3 % (bzw. 7,0 %)

+

4.687,50 €

x

halber durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2020 (1,1 %; davon die Hälfte)

Beachte
Sofern das Arbeitsentgelt des versicherungsfreien Arbeitnehmers die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) nicht erreicht, fällt der zu zahlende Beitragszuschuss geringer als der Höchstzuschuss aus.

Zuschussfähig sind nur die Aufwendungen für die Leistungen, die der Art nach zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Beiträge, die z.B. für eine Sterbegeldversicherung gezahlt werden, zählen nicht zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für seine Krankenversicherung.

Beachte Die Beiträge für einen Angehörigen bleiben bei der Berechnung des Arbeitgeberzuschusses immer dann unberücksichtigt, wenn diesem bei (unterstellter) Versicherungspflicht des Arbeitnehmers in der gesetzlichen Krankenversicherung keine Leistungen der Familienversicherung zustünden.

Resultieren die Leistungsansprüche für den Arbeitnehmer und seine Familienangehörigen aus mehreren privaten Versicherungsverträgen, ist die Begrenzung auf die Hälfte der Summe der vom Arbeitnehmer insgesamt zu zahlenden Beiträge zu beachten.

Beitragszuschuss zur gesetzlichen/privaten Pflegeversicherung 2020

Als Beitragszuschuss ist die Hälfte des Beitrags zu zahlen, den der Arbeitgeber bei Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung als Beitragsanteil zu zahlen hätte.

Die Höhe des Beitragszuschusses richtet sich nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Beitragssatz (2020: unverändert 3,05 %).

Der Zuschuss ist begrenzt auf die Hälfte des Beitrags, den der Beschäftigte für seine private Pflegeversicherung zu zahlen hat.

Beispiel
Das monatliche Arbeitsentgelt eines privat Pflegeversicherten beträgt 4.900 €. Der Beitrag zur privaten Pflegeversicherung beträgt 64 €. Der monatliche Beitragszuschuss des Arbeitgebers ist begrenzt auf die Hälfte des o.g. Beitrags zur privaten Pflegeversicherung und beträgt demnach 32 €.

Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung 2020

Anfang 2018 ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft getreten. Seit diesem Zeitpunkt können Arbeitnehmer bis zu 8 % der jährlichen BBG (West) in der gesetzlichen Rentenversicherung steuerfrei in die betriebliche Altersversorgung (bAV) einzahlen. Dies entspricht für 2020 einem steuerfreien Einzahlungsbetrag von maximal 6.624 € jährlich.

Unverändert sozialversicherungsfrei sind Einzahlungsbeträge bis zu 4 % der jährlichen BBG (West) in der gesetzlichen Rentenversicherung. Dies entspricht für 2020 einem sozialversicherungsfreien Einzahlungsbetrag von maximal 3.312 € jährlich.

Beitrags- und steuerfreie Beiträge zur bAV

 

Berechnung

Betrag 2020

steuerfrei

8 % der RV-BBG-West

6.624 €

sozialversicherungsfrei

4 % der RV-BBG-West

3.312 €

Sozialversicherungsrechtlicher Übergangsbereich seit 01.07.2019

Zum 01.07.2019 wurde die Gleitzone durch den Übergangsbereich ersetzt.

Dieser Bereich zwischen einer geringfügigen Beschäftigung und dem Einsetzen der vollen Beitragslast auf Arbeitnehmerseite erfasst nun regelmäßige monatliche Entgelte von 450,01 € bis 1.300 € (Gleitzone zuvor: bis 850 €).

Beachte
Die Regelungen des Übergangsbereichs gelten seit dem 01.07.2019 uneingeschränkt für die mehr als geringfügigen Beschäftigungen, die bereits vor dem 01.07.2019 aufgenommen wurden und deren regelmäßiges Arbeitsentgelt die Entgeltgrenze von 1.300 € im Monat nicht überschreitet. Davon betroffen sind insofern auch die Beschäftigungen mit einem Arbeitsentgelt von 450,01 € bis 850 €, die bis zum 30.06.2019 innerhalb der Gleitzone ausgeübt worden sind.

Zusätzliche Rentenansprüche

Seit dem 01.07.2019 werden die sogenannten Entgeltpunkte aus einer Beschäftigung im neuen Übergangsbereich aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt ermittelt, obwohl die betreffenden Arbeitnehmer Rentenversicherungsbeiträge aus einem geringeren Entgelt zahlen.

Im Übergangsbereich führen die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge für die Arbeitnehmer jetzt nicht mehr (wie bis zum 30.06.2019) zu geringeren Rentenansprüchen. Daher ist für Beschäftigungen im Übergangsbereich seit dem 01.07.2019 ein möglicher Verzicht auf die Reduzierung der Rentenversicherungsbeiträge nicht mehr erforderlich.

Beschäftigte in Altersteilzeit

Die Neuregelungen rund um den Übergangsbereich gelten auch für solche Arbeitnehmer, die ihre Arbeitszeit im Rahmen der Altersteilzeitarbeit reduzieren und hierdurch im Entgeltbereich von 450,01 € bis 1.300 € liegen.

Meldungen

Beschäftigungen im Übergangsbereich sind im DEÜV-Meldeverfahren – analog der bis zum 30.06.2019 geltenden Gleitzone – im Datenbaustein Melde­sachverhalt (DBME)/Kennzeichen Midijob mit den Ziffern „0“ bis „2“ zu kennzeichnen.

Kennzeichen

Bedeutung

0

kein Arbeitsentgelt innerhalb der Grenzen des § 20 Abs. 2 SGB IV/
Verzicht auf die Anwendung der Gleitzonenregelung (Verzicht nur noch für Meldezeiträume bis zum 30.06.2019 relevant)

1

Arbeitsentgelt durchgehend innerhalb der Grenzen des § 20 Abs. 2 SGB IV (tatsächliche Arbeitsentgelte in allen Entgeltabrechnungszeiträumen von 450,01 € bis 1.300 €)

2

Arbeitsentgelt sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen des § 20  Abs. 2 SGB IV (Meldung umfasst sowohl Entgeltabrechnungszeiträume mit Arbeitsentgelten von 450,01 € bis 1.300 € als auch solche mit Arbeitsentgelten unter 450,01 € und/oder über 1.300 €)

In Meldungen für Beschäftigungen mit den Midijob-Kennzeichen „1“ und „2“ ist zusätzlich das Arbeitsentgelt, das ohne Anwendung der Regelungen zum Übergangsbereich zu berücksichtigen wäre, anzugeben (tatsächliches Arbeitsentgelt). Die Angabe hat in dem neuen Datenfeld „Entgelt Rentenberechnung“ im Datenbaustein Meldesachverhalt (DBME) zu erfolgen.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.