Anzahlungen: Das ist bei der Umsatzsteuer zu beachten

Gerade um den Jahreswechsel spielen Anzahlungen häufig eine besondere Rolle. Budgets müssen verwendet werden oder Einnahmenüberschussrechner möchten Gewinne steuerwirksam in das folgende Jahr verlagern. Was Sie umsatzsteuerlich beachten müssen, lesen Sie hier.

Erhaltene Anzahlungen

Wird das Entgelt oder ein Teil des Entgelts vereinnahmt, bevor die Leistung oder die Teilleistung ausgeführt worden ist, so entsteht insoweit die Steuer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem das Entgelt oder das Teilentgelt vereinnahmt worden ist (§ 13 Abs. 1 Nr. 1a Satz 4 UStG). Diese Regelung gilt für Anzahlungen, Abschlagszahlungen und Vorauszahlungen. Auf die betragsmäßige Höhe der Anzahlung kommt es nicht an.

Wird eine Anzahlung für eine Leistung vereinnahmt, die vor­aussichtlich unter eine Befreiungsvorschrift des § 4 UStG fällt, so braucht auch die Anzahlung nicht der Steuer unterworfen zu werden. Dagegen ist die Anzahlung zu versteuern, wenn bei ihrer Vereinnahmung noch nicht abzusehen ist, ob die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit der Leistung erfüllt werden (Abschn. 13.6 Abs. 4 UStAE).

Geleistete Anzahlungen

Wenn eine Leistung an den Unternehmer ausgeführt wurde, kann er die Vorsteuer geltend machen, sobald ihm eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. Eine Lieferung ist ausgeführt, sobald er die Verfügungsmacht über den gelieferten Gegenstand hat. Eine sonstige Leistung ist ausgeführt, wenn sie abgeschlossen (beendet) ist.

Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist immer, dass der Unternehmer im Besitz einer ordnungsgemäßen Rechnung ist. Es spielt keine Rolle, ob die Umsätze nach vereinbarten oder vereinnahmten Entgelten versteuert werden.

Der Vorsteuerabzug steht dem Unternehmer auch dann zu, wenn er seine Umsätze nach vereinnahmten Entgelten versteuert und die Rechnung noch nicht bezahlt hat. Die Istversteuerung gilt nicht für den Vorsteuerabzug.

Der Vorsteuerabzug bei Anzahlungen kann erst nach Zahlung der Rechnung geltend gemacht werden.

Erhält der Unternehmer aber eine Rechnung über eine Anzahlung (Abschlags- oder Vorauszahlung), darf er die ausgewiesene Umsatzsteuer erst dann als Vorsteuer abziehen, wenn er die Zahlung geleistet hat. Um den Vorsteuerabzug aus einer Anzahlung beanspruchen zu können, müssen somit die beiden folgenden Voraussetzungen vorliegen:

  • Es muss eine ordnungsgemäße Rechnung über die Anzahlung vorliegen und
  • die Anzahlung muss geleistet worden sein.

Wann kann die Vorsteuer geltend gemacht werden?

Die Vorsteuer kann jeweils in dem Voranmeldungszeitraum abgezogen werden, in dem beide Vor­aussetzungen gleichzeitig vorliegen. Wie sich dies auswirkt, zeigen die folgenden Beispiele.

Beispiel


Anzahlungsbetrag wird nur teilweise gezahlt: In diesem Fall ist nur die im Zahlungsbetrag enthaltene Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehbar.

Anzahlungsbetrag laut Anzahlungsrechnung ist niedriger als die tatsächliche Zahlung: Maximal der in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuerbetrag kann als Vorsteuer abgezogen werden. Für den tatsächlich gezahlten höheren Betrag liegt keine Rechnung vor.

Rechnungsstellung in voller Höhe – Bezahlung in Teilbeträgen: In diesem Fall kann in den jeweiligen Umsatzsteuer-Voranmeldungen der Monate der Zahlungen die in den Anzahlungen enthaltene Umsatzsteuer geltend gemacht werden.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.