So wird die Abzugsbeschränkung für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb berechnet

Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb sind nur in Höhe einer bestimmten Pauschale als Betriebsausgabe abzugsfähig. Liegen die tatsächlichen Aufwendungen über den Pauschalen, ist die Differenz als nichtabzugsfähige Betriebsausgabe zu erfassen. Wie dabei zu rechnen und auch zu buchen ist, zeigen wir Ihnen mit diesem Beitrag.

Vorgaben für die Ermittlung der Entfernungspauschale

Aufwendungen, die aufgrund von Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb anfallen, sind gem. § 4 Abs. 5 Nr. 6 EStG (entsprechend dem Werbungskostenabzug für Arbeitnehmer nach § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG) nur in Höhe einer Pauschale als Betriebsausgabe abzugsfähig. Liegen die tatsächlichen Aufwendungen über den Pauschalen, so ist die Differenz als nichtabzugsfähige Betriebsausgabe zu erfassen. Für die Bestimmung der Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sind folgende Punkte maßgebend:

  • Pro Tag ist nur eine Fahrt abzugsfähig.
  • Maßgebend ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Eine andere Straßenverbindung kann nur dann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist.
  • Für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Betriebsstätte sind 0,30 € anzusetzen, wobei diese Entfernungspauschale verkehrsmittelunabhängig ist.

Ermittlung der Fahrtkosten

Die Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte werden nach folgender Formel ermittelt:

 

Arbeitstage, an denen die Betriebsstätte aufgesucht wurde,

x

Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Betriebsstätte

x

0,30 € für jeden Kilometer

=

Entfernungspauschale

Anwendung der 1-%-Methode

Zur Ermittlung der nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben müssen die tatsächlich angefallenen Kosten mit der Entfernungspauschale verglichen werden. Wird kein Fahrtenbuch geführt, können keine tatsächlich angefallenen Kosten ermittelt werden. Es muss daher die 1-%-Methode angewendet werden. Die 1-%-Methode ist allerdings nur für Fahrzeuge zulässig, die zu mehr als 50 % betrieblich genutzt werden.

Beachte
Bei Nutzung eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs wird der Bruttolistenpreis um die darin enthaltenen Kosten für das Batteriesystem pauschal wie folgt gemindert:

Anschaffungsjahr

Minderung je kWh Speicher

Höchstbetrag

bis 2013

500 €

10.000 €

2014

450 €

9.500 €

2015

400 €

9.000 €

2016

350 €

8.500 €

2017

300 €

8.000 €

2018

250 €

7.500 €

Die nach der vorstehenden Tabelle vorzunehmende pauschale Minderung des Bruttolistenpreises entfällt, wenn das Batteriesystem nicht zusammen mit dem Fahrzeug angeschafft wird, sondern für die Überlassung ein zusätzliches Entgelt zu entrichten ist.

Die Regelung wurde für Anschaffungen und Leasingfälle im Zeitraum 01.01.2019 bis 31.12.2021 grundsätzlich ausgesetzt. Bei einem im Zeitraum vom 01.01.2019 bis zum 31.12.2021 angeschafften oder geleasten Elektro- oder Hybridelektrofahrzeug tritt an die Stelle der pauschalen Minderung um die Kosten für das Batteriesystem eine Halbierung der Bemessungsgrundlage. Das bedeutet, dass bei der Bruttolistenpreisregelung der halbe Bruttolistenpreis angesetzt wird. Dies gilt für die Ermittlung des geldwerten Vorteils bei Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und etwaigen steuerpflichtigen Familienheimfahrten im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung.

Die nichtabzugsfähigen Betriebsausgaben werden daher nach folgendem Schema ermittelt:

 

geschätzte Kosten zwischen Wohnung und Betrieb (inländischer Listenpreis x 0,03 % x Kilometerzahl der kürzesten Strecke)

-

Entfernungspauschale (0,30 € x Kilometerzahl der kürzesten Strecke x Arbeitstage je Monat)

=

nichtabzugsfähige Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb

 

Arbeitstage an denen die Betriebsstätte aufgesucht wurde

x

Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Betriebsstätte

x

0,30 € für jeden Kilometer

=

Entfernungspauschale

Ist der Differenzbetrag positiv, so ist dieser dem Gewinn außerbilanziell hinzuzurechnen.

Tipp
Der Abzug eines negativen Differenzbetrags vom Gewinn als zusätzliche Betriebsausgabe ist zulässig.

Beispiel
Die tatsächlichen Aufwendungen eines Unternehmers für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb betragen 240 € pro Monat. Nach der Entfernungspauschale könnten jedoch 300 € pro Monat als Betriebsausgabe abgezogen werden. Der Unternehmer darf daher zusätzlich 60 € pro Monat als Betriebsausgabe geltend machen.

Für Fahrzeuge, die höchstens zu 50 % betrieblich genutzt werden (Fahrzeuge des gewillkürten Betriebsvermögens) ist die 1-%-Regelung nicht anwendbar. Anzusetzen sind vielmehr die auf die nachgewiesene oder geschätzte Nutzung entfallenden Kosten. Für die Ermittlung der nicht als Betriebsausgaben abzugsfähigen Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bedeutet dies, dass anstelle der Pauschalierung mit 0,03 % des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer und Monat abzüglich Entfernungspauschale künftig die tatsächlichen Aufwendungen gegenzurechnen sind.

Anwendung der Fahrtenbuchmethode

Mit Hilfe eines Fahrtenbuchs wird ein Vergleich zwischen den tatsächlichen Kosten und den geltenden Pauschalen möglich. Die Berechnung des nichtabzugsfähigen Teils der Betriebsausgaben erfolgt nach folgendem Schema:

 

tatsächliche Kosten (Kosten je Kilometer x Kilometerzahl der Hin- und Rückfahrt x Arbeitstage pro Monat)

-

Entfernungspauschale (0,30 € x Kilometerzahl der kürzesten Strecke x Arbeitstage je Monat)

=

nichtabzugsfähige Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb

Beachte
Wird bei einem vor dem 01.01.2019 angeschafften Elektro-, Hybridelektro- oder Brennstoffzellenfahrzeug der geldwerte Vorteil für die private Nutzung nach der individuellen Methode (= Fahrtenbuchmethode) ermittelt, ist die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung in pauschaler Höhe um die Kosten für das Batteriesystem zu mindern.

Bei einem nach dem 01.01.2019 angeschafften oder geleasten Elektro- oder Hybridelektrofahrzeug tritt an die Stelle der pauschalen Minderung um die Kosten für das Batteriesystem eine Halbierung der Bemessungsgrundlage. Das bedeutet, dass bei der Fahrtenbuchmethode die Hälfte der Abschreibung bzw. der Leasingkosten angesetzt wird. Dies gilt auch für die Ermittlung des geldwerten Vorteils bei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.