So bleiben Arbeitgeberzuschüsse zur Fort- oder Weiterbildung abgabenfrei

Erhalten Arbeitnehmer finanzielle Unterstützung bei ihrer beruflichen Fort- und Weiterbildung, stellt sich häufig die Frage, ob diese Zahlungen steuer- und damit auch sozialversicherungspflichtig sind. Wir zeigen Ihnen, wie diese Zuschüsse abgabenfrei geleistet werden können und worauf Sie dabei achten müssen.

Berufliche Fort- oder Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers

Berufliche Fort- oder Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers führen nicht zu Arbeitslohn, wenn diese Bildungsmaßnahmen im ganz überwiegend betrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt werden.

Für ein überwiegend betriebliches Interesse einer Bildungsmaßnahme sprechen

  • die Erhöhung der Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers im Betrieb des Arbeitgebers,
  • wenn der Arbeitgeber die vermittelten Sprachkenntnisse in dem für den Arbeitnehmer vorgesehenen Aufgabengebiet verlangt,
  • die Anrechnung der Teilnahme an der Bildungsmaßnahme (zumindest teilweise) auf die Arbeitszeit (wird die Teilnahme auf die Arbeitszeit nicht angerechnet, spricht dies allerdings auch nicht gegen ein überwiegend betriebliches Interesse der Bildungsmaßnahme).

Kostenübernahme externer Fort- und Weiterbildungen durch den Arbeitgeber

Es kommt für die Annahme eines ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesses des Arbeitgebers nicht darauf an, ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer Schuldner der Kosten einer Bildungsmaßnahme ist. Ist der Arbeitnehmer Schuldner der Gebühren, ist nur insoweit die Annahme eines ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesses des Arbeitgebers möglich, wie der Arbeitgeber vorab die Übernahme der zukünftig entstehenden Kosten schriftlich zugesagt hat.

Beachte

Der Arbeitgeber hat auf der ihm vom Arbeitnehmer zur Kostenübernahme vorgelegten Originalrechnung die Kostenübernahme sowie deren Höhe anzugeben. Eine Ablichtung der insoweit ergänzten Originalrechnung ist als Beleg zum Lohnkonto aufzubewahren.

Bildet sich der Arbeitnehmer nicht im ganz überwiegend betrieblichen Interesse des Arbeitgebers fort, gehört der Wert der vom Arbeitgeber erbrachten Fort- oder Weiterbildungsleistung zum Arbeitslohn. Der Arbeitnehmer kann ggf. den Wert einer beruflichen Fort- und Weiterbildung im Rahmen des § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG als Werbungskosten oder im Rahmen des § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Sonderausgaben geltend machen.

Tipp

Aufwendungen des Arbeitgebers (wie z.B. Reisekosten), die neben den Kosten für die eigentliche Fort- oder Weiterbildungsleistung anfallen und durch die Teilnahme des Arbeitnehmers an der Bildungsveranstaltung veranlasst sind, können nach § 3 Nr. 13, 16 EStG steuerfrei sein.

Rückforderungsmöglichkeit des Arbeitgebers

Für die Annahme eines ganz überwiegend eigenbetrieblichen Inter­esses des Arbeitgebers ist es nicht erforderlich, dass der Arbeitgeber die übernommenen Gebühren einer Bildungsmaßnahme vom Arbeitnehmer arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeitsrechtlichen Rechtsgrundlage zurückfordern kann.

Übernahme von Bildungskosten durch den Arbeitgeber im Darlehensweg

Bei einer Übernahme von Bildungskosten durch den Arbeitgeber im Darlehensweg, bei der marktübliche Vereinbarungen über Verzinsung, Kündigung und Rückzahlung getroffen werden, führt weder die Hingabe noch die Rückzahlung der Mittel zu lohnsteuerlichen Folgerungen.

Ist das Arbeitgeberdarlehen nach den getroffenen Vereinbarungen nur dann tatsächlich zurückzuzahlen, wenn der Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner Person liegen, vor Ablauf des vertraglich festgelegten Zeitraums (i.d.R. zwei bis fünf Jahre) aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet, oder ist der marktübliche Zinssatz unterschritten, ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der Einräumung des Arbeitgeberdarlehens die Voraussetzungen einer beruflich veranlassten Fort- oder Weiterbildung (i.S.d. R 19.7 LStR) vorlagen. Wird dies bejaht, ist der Verzicht auf die Darlehensrückzahlung oder der Zinsvorteil eine Leistung des Arbeitgebers im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse.

Lagen diese Voraussetzungen nicht vor, stellt der (Teil-)Er­lass des Darlehens einen Vorteil mit Arbeitslohncharakter für den Arbeitnehmer dar. Gleiches gilt für einen Zinsvorteil. Der Arbeitslohn fließt dem Arbeitnehmer bei einem Darlehens(teil-)erlass in dem Zeitpunkt zu, in dem der Arbeitgeber zu erkennen gibt, dass er auf die (Teil-)Rückzahlung des Darlehens verzichtet.

Prüfschema: Liegt überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor?
 Antwort und Konsequenz
FragestellungJaNein

1. Liegt eine erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium als Erstausbildung außerhalb eines Ausbildungsdienstverhältnisses i.S.v. § 9 Abs. 6 und § 12 Nr. 5 EStG vor?

Es liegen weder Werbungskosten des Arbeitnehmers noch ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor. Die Übernahme von Studiengebühren durch den Arbeitgeber führt zu Arbeitslohn.Es liegen weder Werbungskosten des Arbeitnehmers noch ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor. Die Übernahme von Studiengebühren durch den Arbeitgeber führt zu Arbeitslohn.

2. Ist eine berufliche Veranlassung gegeben?

Es liegen weder Werbungskosten des Arbeitnehmers noch ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor. Die Übernahme von Studiengebühren durch den Arbeitgeber führt zu Arbeitslohn.Es liegen weder Werbungskosten des Arbeitnehmers noch ein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor. Die Übernahme von Studiengebühren durch den Arbeitgeber führt zu Arbeitslohn.
3. Sind die Voraussetzungen der Richtlinie R 19.7 LStR (überwiegend eigenbetriebliches Interesse) erfüllt?Es liegt eine Leistung des Arbeitgebers im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse vor. Die Übernahme von Gebühren durch den Arbeitgeber führt nicht zu Arbeitslohn.Es liegen Werbungskosten des Arbeitnehmers, aber kein ganz überwiegend eigenbetriebliches Interesse des Arbeitgebers vor. Die Übernahme von Studiengebühren durch den Arbeitgeber führt zu Arbeitslohn.
Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.