Minijobs 2019: Aktuelle Hinweise zur richtigen Berechnung der SV-Grenze

Ende 2018 waren bei der Minijob-Zentrale mehr als 6,5 Mio. Minijobber im gewerblichen Bereich gemeldet. Rund 17 % aller Beschäftigten im gewerblichen Bereich waren Ende 2018 damit als Minijobber tätig. Grund genug, sich mit den Grundsätzen und Besonderheiten in diesem Bereich vertraut zu machen.

Definition und Arten von Minijobs

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung. Geringfügig bedeutet, dass es eine bestimmte Verdienstgrenze oder bestimmte Zeitgrenzen gibt. Ein Minijobber kann im gewerblichen Bereich oder im Privathaushalt beschäftigt sein. Es gibt zwei Arten von Minijobs: 450-€-Minijobs und kurzfristige Minijobs.

  • 450-€-Minijobs sind geringfügig entlohnte Beschäftigungen. Wichtig ist, dass der Minijobber regelmäßig nicht mehr als 450 € im Monat verdient. Er arbeitet meist regelmäßig – auf die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der monatlichen Einsätze kommt es nicht an.
  • Kurzfristige Minijobs heißen auch kurzfristige Beschäftigungen. Wichtig ist, dass der Minijobber im Laufe eines Kalenderjahres nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage arbeitet (Diese Fristen sollten eigentlich Ende 2018 auslaufen, gelten aber nun dauerhaft). Er arbeitet hier nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich – die Höhe des Verdienstes spielt hier keine Rolle.

Für beide Minijob-Arten gelten für Arbeitgeber und Minijobber eigene Regelungen, abhängig davon, ob sie im gewerblichen Bereich oder in Privathaushalten stattfinden.

Mehr als „450 €“ und länger als „kurzfristig“

Ein Arbeitnehmer ist nicht geringfügig beschäftigt und hat somit keinen Minijob, wenn er

  • regelmäßig mehr als 450 € pro Monat verdient und
  • länger als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage arbeitet.

Die Beschäftigung ist somit sozial­versicherungs­pflichtig: Das bedeutet, es sind Beiträge an die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung sowie an die Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Dazu muss der Arbeitgeber die Beschäftigung bei der zuständigen Krankenkasse des Arbeitnehmers anmelden – nicht bei der Minijob-Zentrale.

Schüler als Minijobber

Für Schüler gelten keine besonderen Minijob-Regelungen. Demnach handelt es sich um

  • einen 450-€-Minijob, wenn das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt die 450-€-Grenze nicht übersteigt, oder
  • einen kurzfristigen Minijob, wenn die Beschäftigung von vornherein auf drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet ist. Auf den Verdienst kommt es nicht an.

Jugendliche i.S.d. Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) sind 15 bis 17 Jahre alt. Um die Entwicklung und schulischen Leistungen der Jugendlichen nicht zu gefährden, gelten gesetzlich vorgeschriebene Altersgrenzen:

  • In der Regel dürfen Jugendliche erst ab 15 Jahren - höchstens acht Stunden am Tag - arbeiten.
  • Sind sie jünger als 15 Jahre, ist eine Beschäftigung grundsätzlich verboten.

Ausnahme: Mit Einwilligung der Eltern dürfen Schüler ab 13 Jahren grundsätzlich zwei Stunden am Tag unter altersgerechten Bedingungen arbeiten.

  • Sind sie noch vollzeitschulpflichtig, ist eine Beschäftigung grundsätzlich verboten.
  • Ausnahme: Mit Einwilligung der Eltern dürfen vollzeitschulpflichtige Jugendliche grundsätzlich zwei Stunden am Tag unter altersgerechten Bedingungen arbeiten. Darüber hinaus können sie während der Schulferien bis zu vier Wochen im Kalenderjahr jobben.

Studenten als Minijobber

Für Studentengelten keine Besonderheiten bei den Minijob-Regelungen. Der 450-€-Minijob ist versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung und nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversi­cherung. In der Rentenversicherung sind Studenten versicherungspflichtig, wenn sie ihre Beschäftigung

  • ab dem 01.01.2013 aufgenommen haben oder
  • bereits vor dem 01.01.2013 aufgenommen haben und ihr monatlicher Verdienst auf einen Betrag von 400,01 € bis maximal 450 € erhöht wurde.



Sie können sich auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Wichtig zu wissen für Arbeitgeber

Die Meldung von studentischen 450-€-Minijobbern erfolgt an die Minijob-Zentrale unter Angabe der Personengruppe 109 und des Beitragsgruppenschlüssels

  • 6100 (für gesetzlich Krankenversicherte) oder
  • 0100 (für privat Krankenversicherte).

Ist der Student von der Rentenversicherungspflicht befreit oder rentenversicherungsfrei, erfolgt die Meldung mit der Personengruppe 109 und dem Beitragsgruppenschlüssel

  • 6500 (für gesetzlich Krankenversicherte) bzw.
  • 0500 (für privat Krankenversicherte).



Keine Abgaben für den kurzfristigen Minijob

Ein kurzfristiger Minijob ist versi­cherungsfrei in der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung und nicht versicherungspflichtig in der Pflegever­sicherung. Es fallen weder für den Arbeitgeber noch für den Studenten Beiträge an.

Werkstudenten

Als Werkstudent gilt, wer

  • als ordentlich Studierender einer Fach­schule oder Hochschule immatrikuliert ist und
  • daneben eine Beschäftigung an nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich mit einem regelmäßigen monatlichen Verdienst von mehr als 450 € und länger als drei Monate bzw. 70 Kalendertage im Kalenderjahr ausübt.


Werkstudenten sind versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung und damit auch nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversicherung.

Ordentlich Studierende sind hingegen für eine Beschäftigung, die sie neben ihrem Studium ausüben, versicherungspflichtig in der Rentenversicherung.

Wer als ordentlich Studierender gilt

Als ordentlich Studierender gilt, wer seine Zeit und Arbeitskraft überwiegend für sein Studium aufwendet. Das heißt, die Beschäftigung darf gegenüber dem Studium nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der Arbeitgeber prüft dies anhand der wöchentlichen Arbeitszeit. Der Verdienst spielt hierbei keine Rolle. Ordentlich Studierender ist, wer

  • nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet und
  • die wöchentliche Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden nur durch befristete Mehrarbeit in den Abend- und Nachtstunden, am Wochenende oder in den Semesterferien überschreitet.

Wer die 20-Stunden-Grenze unbefristet über­schreitet, ist kein ordentlich Studierender.

Informationsportal zur Sozialversicherung für Arbeitgeber

Beim Thema Sozialversicherung fehlt oft der Durchblick. Viele Arbeitgeber sind unsicher, ob und wofür Minijob-Zentrale, Krankenkasse, Rentenversicherung, Unfallversi­cherungs­träger oder Agentur für Arbeit zuständig sind und welche Angaben sie welcher Stelle übermitteln müssen. Das Informationsportal der gesetzlichen Krankenkassen (www.informationsportal.de) unterstützt Arbeitgeber bei der Umsetzung der Vorgaben des Sozialversicherungsrechts. Die Plattform ist insbesondere für diejenigen konzipiert, die bisher wenig Erfahrung im Umgang mit der Sozialversicherung haben. Der Arbeitgeber wird durch Frage-Antwort-Kataloge geführt, die jeweils auf spezielle Anliegen abgestimmt sind. Das Portal stellt Informationen zu den Meldepflichten, grundlegende Handlungsempfehlungen und eine Übersicht der erforderlichen Angaben in Form einer Checkliste bereit. Zusätzlich werden weitere Informationen als Glossar und durch Steckbriefe zur Verfügung gestellt. Eine Bibliothek mit Rundschreiben, Besprechungsergebnissen und allgemein zugänglichen Informationen der Sozialversicherungsträger rundet das Angebot ab.

Porträt von Michael Puke

Michael Puke

Dipl.-Fw. Michael Puke ist Geschäftsführer des Studienwerks der Steuerberater in NRW e.V. und selbstständiger Steuerberater sowie Autor von Steuerfachliteratur. Unter anderem bearbeitet Herr Puke seit vielen Jahren einen bekannten Steuerratgeber und Bücher zur Prüfungsvorbereitung für Steuerfachangestellte.